Filmkritik von Sina Schach: Zirkuskind
Zirkuskind
Empfohlen für 4. bis 5. Klasse
Vorstellungen:
Mittwoch, 30.09.2026; 11.00 Uhr
Filmkritik von Sina Schach, 9 Jahre
Montessori Campus Berlin-Köpenick
In dem Film sagt Uropa Ehe: „Keiner in meiner Familie konnte je jonglieren." Aber in meiner Familie gibt es zwei Artisten, die richtig gut jonglieren können. Meine Tante Evelin und mein Onkel Volker haben an der Artistenschule in Berlin eine vierjährige Ausbildung absolviert. Sie waren anschließend Jongleure im Staatszirkus der DDR und sind mit dem Zirkus Busch und dem Zirkus Aeros durch die Welt gereist. Auch bei der beliebten Zirkus-Show „Menschen, Tiere, Sensationen" haben sie mitgemacht. Onkel Volker konnte nämlich mit sieben Keulen gleichzeitig jonglieren, auch mit Feuerkeulen. Das war Weltklasse. Onkel Volker kann das heute noch gut, obwohl er längst Rentner ist. Gelernt ist eben gelernt.
Ich habe in den Sommerferien auch schon mal in einem Zirkus mitgewirkt. Wir haben eine Woche ganz fleißig trainiert. Ich war – na was wohl? – Jongleurin! Meine Schwester war ein Clown und musste sich richtig viel Text merken. Gemeinsam waren wir noch Hula-Hoop-Artistinnen. Am Ende der Woche präsentierten wir unseren Eltern, Großeltern und Freunden in der Manage des Zirkus Aron in Berlin-Köpenick unsere Kunststücke. Das war eine arbeitsreiche, erlebnisreiche und spannende Woche für mich.
Da ich so viele Berührungspunkte mit dem Zirkus habe, war der Film „Zirkuskind" genau mein Ding. Er hat mir sehr gut gefallen, weil es kein Gut und Böse gibt, weil es ein ruhiger Film ist, auch wenn es vor Showbeginn im Zirkus immer etwas hektisch zuging. Schön finde ich auch, dass der Uropa Ehe in Santinos Leben so eine große Rolle spielt.
Santino ist die Hauptperson des Films. Er ist 10 Jahre alt. Uropa Ehe ist die zweitwichtigste Figur. Er ist 80 Jahre alt. Er stammt auch aus einer Zirkusfamilie. Die war jedoch so groß, dass der Zirkus sie nicht alle ernähren konnte. Deshalb hat er als junger Mann mit seinen Kindern seinen eigenen Zirkus gegründet - den Zirkus Arena.
Santino und Opa Ehe sind unzertrennlich. Von Opa Ehe lernt Santino, wie ein Zirkus funktioniert. Mit dem Lernen in der Schule ist es ziemlich schwierig für Santino. Weil der Zirkus ständig von Ort zu Ort zieht, ist er meist nicht lange in ein und derselben Schule. Da ist es schwierig für ihn, Freundschaften zu schließen. Das bedauere ich sehr.
Dafür spielt die Familie in Santinos Leben eine ganz, ganz große Rolle. Die Zirkusfamilie von Santino hält eng zusammen. Er spielt viel mit seinen Geschwistern. Weil die Zirkusleute alles selber machen müssen, helfen auch die Kinder fleißig mit. Santino verkauft zum Beispiel „Zauberlichter" vor der Vorstellung, oder steckt die Lollis schön zusammen, die dann am Kiosk angeboten werden. Nach der Vorstellung schleppt er in einer großen Plastikwanne das Popcorn, das nicht verkauft wurde, und verteilt es als Leckerli an die Zirkustiere.
Am meisten Spaß haben Santino und sein jüngerer Bruder beim Aufbauen des Zirkuszelts. Die beiden können schon richtig gut mit dem großen Hammer umgehen und die riesigen Nägel in den Boden schlagen, an denen die Seile zum Spannen des Zelts befestigt werden. Manchmal zoffen sich die beiden, wer zuerst den Hammer bekommt.
Auch die Frauen, die sonst als Artistinnen in der Manege mitwirken, packen kräftig beim Auf- und Abbauen des Zirkuszelts mit an. Die können gar nicht alle zart und schlank sein, wenn sie so schwere Arbeit leisten müssen.
Besonders beeindruckt hat mich die Geschichte von dem Zirkuselefanten Sahib, den Opa Ehe 50 Jahre lang in seinem Zirkus hatte. Ein beeindruckendes, liebes Tier mit zwei Meter langen Stoßzähnen. Weil der Elefant schon gestorben ist, werden die Szenen, in denen Opa Ehe von ihm berichtet, als Trickfilm nachgezeichnet. Das lockert den Film schön auf.
Opa Ehe erzählt auch von seinem Opa. Als der ein junger Mann war, hatten es Zirkusleute nicht leicht, insbesondere wenn sie Sinti und Roma waren, wie seine Familie. Früher hat man auch abwertend Zigeuner zu ihnen gesagt. Sie wurden verfolgt und umgebracht. Sehr, sehr traurig, was diesen Menschen damals von Hitler angetan wurde.
In dem Film wird das Leben von Santino gezeigt. Für ihn steht natürlich fest, dass er auch Artist wird. Dafür übt er schon fleißig auf dem Trampolin. Sein Leben ist ganz anders als unser Leben.
Ich möchte den Film unbedingt mal mit meiner Klasse ansehen. Der Film bekommt von mir das Urteil: Daumen hoch. Er ist spannend, aber nicht so, dass man sich fürchten muss.