07.10.2026

Zwei Frauen, ein Filmfest – und jede Menge Mut

Pressemitteilung 427/2026 der Stadt Bernau bei Berlin

Unter dem Motto „Ab heute bin ich mutig!" machte das Kinderfilmfest im Land Brandenburg vom 22. September bis 2. Oktober Halt in Bernau

Wenn sich die Bernauer Stadthalle alljährlich Ende September in einen Filmpalast verwandelt, stecken zwei Frauen dahinter: Sabine Oswald-Göritz und Andrea Pagel. Seit vielen Jahren organisieren sie gemeinsam das Kinderfilmfest in Bernau.

Die eine bringt Ideen, Beharrlichkeit und kulturelle Netzwerke mit, die andere hält als pragmatisches „Stellwerk" die vielen Beteiligten und Abläufe zusammen. Ressortgrenzen spielen dabei keine Rolle.

Eigentlich verlaufen ihre beruflichen Wege im Rathaus von Bernau fein säuberlich nebeneinander. Sabine Oswald-Göritz arbeitet im Kulturamt der Stadt, Andrea Pagel ist Jugendkoordinatorin.

Doch wenn das Kinderfilmfest vor der Tür steht, sind Zuständigkeiten auf dem Papier das eine – Teamarbeit das andere. „Nach Notwendigkeit und Bedarf übernimmt die eine auch die Aufgaben der anderen", beschreiben sie ihre Zusammenarbeit. Und genau das dürfte eines der Geheimnisse sein, warum das Kinderfilmfest in Bernau seit vielen Jahren so verlässlich funktioniert.

Emotionaler, engagierter und hartnäckiger Einsatz
Sabine Oswald-Göritz hat seit 2002 „den Hut auf" für das Kinderfilmfest in Bernau. Die Diplom-Buchhandelswirtin, die außerdem ein postgraduales Studium Kulturmanagement und Kulturverwaltung absolvierte, hat das Kinderfilmfest im Kulturamt mit etabliert.

Bei ihr laufen die organisatorischen Fäden zusammen: Sie pflegt die Zusammenarbeit mit dem Landesinstitut Brandenburg für Schule und Lehrkräftebildung (LIBRA), dass das Kinderfilmfest im Land Brandenburg als Kooperationsprojekt veranstaltet, kümmert sich um die Stadthalle, Ablaufpläne, Anmeldungen, Schriftverkehr, Öffentlichkeitsarbeit und Statistik. Auch Sonderveranstaltungen und die feierliche Eröffnung gehören zu ihrem Aufgabenbereich.

Doch eine nüchterne Aufgabenliste beschreibt nur einen Teil von Sabine Oswald-Göritz. Wer mit ihr über das Kinderfilmfest spricht, merkt schnell, wie viel Herzblut darin steckt. Sie ist die Ideengeberin im Duo, emotional, engagiert und hartnäckig, wenn es darum geht, Kindern ein besonderes Filmerlebnis zu ermöglichen.

Einen Regisseur, eine Schauspielerin oder einen Hauptdarsteller für ein Filmgespräch nach Bernau zu holen? Sabine Oswald-Göritz lässt kaum etwas unversucht. Denn Kino soll für sie mehr sein als eine Leinwand, auf der eine Geschichte vorüberzieht.

Dazu passt auch das von ihr betreute Projekt „Der jungen Filmkritiker". Kinder und Jugendliche setzen sich bereits im Vorfeld mit Filmen auseinander, schreiben aus ihrer Perspektive darüber und präsentieren ihren Altersgenossen ihre Sicht. Film wird so zum Anlass, genauer hinzuschauen, eine eigene Meinung zu entwickeln und diese anderen mitzuteilen.

Das Stellwerk hinter den Kulissen
Während Sabine Oswald-Göritz immer wieder neue Ideen ins Rollen bringt, sorgt Andrea Pagel dafür, dass die vielen organisatorischen Gleise zusammenführen. Die Diplom-Sozialwissenschaftlerin ist so etwas wie das „Stellwerk". Pragmatisch, ruhig und mit einem Blick dafür, was wann gebraucht wird, koordiniert sie insbesondere die pädagogische Seite der Veranstaltung.

Eine Schlüsselrolle spielen dabei die Jugendförderer der Bernauer Jugendfreizeiteinrichtungen, die Schulsozialarbeiter und Studenten der Fachschule für Sozialwesen. Andrea Pagel hält die Kontakte, organisiert gemeinsame Runden, stimmt die Einsätze ab und sorgt mit Qualifizierungen wie einem Moderationsworkshop dafür, dass die Betreuerteams für die einzelnen Filme auf ihre Aufgaben vorbereitet sind. Rund 17 Sozialpädagogen sind in die Gruppenarbeit rund um das Filmfest eingebunden.

Auch die Arbeit von Andrea Pagel beginnt lange vor dem ersten Film. Die Schulen müssen angeschrieben und informiert, Begleitmaterialien verschickt und Filmteams zusammengestellt werden. Am Tag vor dem Fest wird dann gemeinsam angepackt: Die Stadthalle an der Hussitenstraße 1 bekommt ihr Kinogesicht. Stühle, Technik und Dekoration müssen an ihren Platz, zu den einzelnen Filmen entstehen kleine Kulissenecken.

Wenn sich die Türen zum Kinosaal öffnen, übernimmt das jeweilige Betreuerteam die „Regie" vor Ort. Die verantwortlichen Sozialpädagogen moderieren die Vorstellungen an – mitunter sogar als kleines szenisches Spiel – und begleiten anschließend die Gespräche mit den Kindern. Denn mit dem Abspann ist eine Vorstellung beim Kinderfilmfest noch lange nicht vorbei.

„Neben dem gemeinsamen Filmeschauen, Staunen und Darüber-Lachen stehen auch das Austauschen über das Gesehene mit den Klassenkameraden, Lehrkräften und der Familie im Mittelpunkt", sagt Andrea Pagel.

Sabine Oswald-Göritz bringt den Bildungsanspruch auf den Punkt: „Die Filme sollen neue Perspektiven eröffnen, zum Nachdenken und Diskutieren anregen und Kinder darin stärken, einen eigenen Standpunkt zu finden und gleichzeitig andere Sichtweisen zu respektieren." Es geht den beiden Frauen eben nicht ums bloße Berieseln lassen. Einen altersgerechten Film anschauen und ihn verstehen, gehören für sie zusammen. Deshalb sind die Vorführung und die pädagogische Nachbereitung Teil der Schulzeit.

21 Filme gesichtet, acht ausgewählt
Die Arbeit für das Kinderfilmfest im September beginnt für Andrea Pagel und Sabine Oswald-Göritz bereits im Februar. Beide Frauen gehören zur Sichtungsgruppe des LIBRA, von dem das inzwischen 35. Kinderfilmfest im Land Brandenburg getragen wird. Rund 20 Filme stehen alljährlich zur Auswahl. Jeder wird angesehen, einzeln schriftlich bewertet und mit Punkten versehen. Anschließend trifft sich die Sichtungsgruppe zur gemeinsamen Endauswahl.

Für 2026 fiel die Wahl aus 21 Vorschlägen auf acht Titel. Damit haben die beiden Bernauerinnen unmittelbar Anteil daran, welche Geschichten Kinder und Jugendliche nicht nur in Bernau, sondern in ganz Brandenburg zu sehen bekommen.

Kinderfilmfest-Motto 2026: „Ab heute bin ich mutig!"
Unter dem Motto „Ab heute bin ich mutig!" reist das Kinderfilmfest noch bis zum 29. Januar 2027 durch 19 Orte im Land. Eröffnet wurde es – wie so oft –am 22. September in Bernau. Das Programm erzählt von jungen Menschen, die mutig über sich hinauswachsen – nicht durch spektakuläre Heldentaten, sondern indem sie schwierige Entscheidungen treffen, Gefühle zeigen, Verantwortung übernehmen oder für andere einstehen.

Auf dem Programm stehen Geschichten unter anderem aus Deutschland, Norwegen, Frankreich, Italien und Kanada. Die Angebote sind nach Alters- und Klassenstufen gestaffelt. Für die Jüngsten gab es auch wieder ein Bilderbuchkino in der Stadtbibliothek und ein Kurzfilmprogramm, hinzu kamen sechs Spielfilme und ein Dokumentarfilm. Allen Veranstaltungen gemeinsam war die pädagogische Begleitung.

Damit trifft das Filmfest einen Gedanken, der die Arbeit von Sabine Oswald-Göritz und Andrea Pagel seit Jahren verbindet: Kinder sollen Kino erleben, sich begeistern und unterhalten lassen – aber eben auch fragen dürfen: Warum handelt eine Figur so? Was hätte ich getan? Was hat das eigentlich mit mir zu tun?

Wenn die letzte Schulklasse die Stadthalle verlassen hat, ist die Arbeit deshalb noch nicht beendet. Einnahmen werden abgerechnet, Besucherzahlen ausgewertet, Statistiken erstellt und Berichte angefertigt. Dann wird sichtbar, wie viele Klassen teilgenommen haben, welcher Film besonders gefragt war und wie viele Veranstaltungen pädagogisch nachbereitet wurden.

Und irgendwann beginnt alles wieder von vorn: Filme sichten, auswählen, planen, telefonieren, koordinieren, überzeugen und improvisieren. Sabine Oswald-Göritz und Andrea Pagel werden dann wieder unter einer Decke stecken – Kulturamt hin, Jugendkoordination her. Denn sobald es um gutes Kino für Bernauer Kinder geht, arbeiten die beiden ohnehin längst in demselben Ressort: Begeisterung.

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