02.11.2026
Museumsgeschichten aus Bernau: Die Kegelhalsterrine aus der Bronzezeit
Pressemitteilung 458/2026 der Stadt Bernau bei Berlin
Kegelhalsterrine aus der Bronzezeit
Objekt 5 von 15.653 im Museumsdepot
Meist setzen sich die „Museumsgeschichten aus Bernau" mit der jüngeren Geschichte der Stadt auseinander. Zwar bildet das Mittelalter – mit der Stadtmauer, dem Steintor, der Kirche, dem Hussitenfest und der Bernauer Brautradition – einen zentralen Schwerpunkt der städtischen Erinnerungskultur. Doch auch die darauffolgenden Jahrhunderte sind feste Bestandteile davon: die Pest, der Dreißigjährige Krieg, der Aufschwung im 19. Jahrhundert, die Eisenbahn, die NS-Zeit und der Altstadtumbau in der DDR. Das liegt allein daran, dass die Quellenlage hier umfangreicher ist und ihre Einflüsse im Alltag noch sichtbarer sind.
Deshalb steht heute ein Museumsfundstück aus einem selten beleuchteten Teil der städtischen Vergangenheit im Mittelpunkt: der frühen Siedlungsgeschichte Bernaus. Erste Nachweise für eine Besiedelung des Gebietes um die Stadt finden sich bereits aus der Mittel- und Jungsteinzeit - noch vor dem Jahr 7000 v. Chr.
Funde aus dieser Epoche beschränken sich vorrangig auf Feuersteingeräte in verschiedenen Formen und Größen. Überwiegend stammen diese aus dem Gebiet zwischen den Ortsteilen Bernau-Süd und Lindow.
Die ersten Hinweise auf eine Besiedelung des Raumes der heutigen Innenstadt finden sich hingegen erst aus der Bronzezeit – also immerhin vor 3.000 bis über 4.000 Jahren. Aus diesem Zeitraum stammt auch das aktuelle Objekt im Museumsdepot: Es handelt sich um ein Tongefäß, welches 1960 im heutigen Ortsteil Ladeburg gefunden wurde.
Oft werden solche Gefäße als Grabbeigaben oder in Hortfunden – also absichtlich im Boden versteckte, vergrabene oder niedergelegte Gegenstände an einem Ort - entdeckt. Unser Museumsfundstück ist jedoch sehr wahrscheinlich ein Alltagsgegenstand und wirkt kaum besonders. Es handelt sich um eine sogenannte Kegelhalsterrine mit gewölbtem Bauch und einem abgesetzten, nach oben enger werdenden Hals, an dem zwei Ösen angebracht sind. Diese Ösen sind ein markantes Merkmal vieler bronzezeitlicher Keramiken. Sie lassen sich allerdings nicht als Henkel wie bei einer Tasse nutzen: Man band Schnüre daran fest, um das Gefäß aufzuhängen. So waren die darin gelagerten Nahrungsmittel vor Ungeziefer wie Ratten geschützt und man sparte zudem Platz. Die Schlichtheit der Keramik – ohne Verzierungen oder eine polierte Oberfläche – lässt verschiedene Deutungen zu. Entweder weist dies auf ein höheres Alter des Gefäßes (vielleicht aus der frühen Bronzezeit um etwa 2000 v. Chr.) oder auf seine nichtkultische, sondern rein profane Nutzung hin.
„Das schwer vorstellbare Alter solcher Stücke fasziniert mich", erklärt Leo Grabsch, Mitarbeiter des Museums Bernau. „Der Gedanke, dass unsere örtliche Geschichte nicht erst ein paar Jahrhunderte währt, sondern wir mehrere Jahrtausende zurückgehen und immer noch Spuren von uns Menschen finden können. Ich bin sehr glücklich darüber, mit meiner Arbeit das Privileg zu haben, diese Objekte in die Hand nehmen zu dürfen. Ich glaube, so zumindest eine kleine Verbindung zu unseren Vorfahren zu spüren, die in einer ganz anderen Lebensrealität vor über 4.000 Jahren lebten", sagt Leo Grabsch.