09.03.2026

Frauen in der Politik: Trotz besserer Bedingungen die gleichen Probleme

Pressemitteilung 82/2026 der Stadt Bernau bei Berlin

Die Veranstaltung zum Buch „Der nächste Redner ist eine Dame" zog Freitagabend viele Gäste in den großen Saal der Stadtbibliothek. Mehr als 70 Frauen und auch Männer kamen, um den Geschichten über die wenigen Frauen im ersten deutschen Bundestag zu lauschen. Im Vorfeld des Internationalen Frauentags hatte die Stadt Bernau am 6. März 2026 zur Lesung mit Podiumsgespräch und Poetry Slam geladen. Gebannt lauschten die Gäste den Erzählungen der bekannten Schriftstellerin Julia Franck sowie der kommunalen Politikerinnen Martina Maxi Schmidt, Dr. Dagmar Enkelmann und Irina Feldmann.

Die Pionierinnen des ersten Deutschen Bundestages hatten durch und durch dicke Bretter zu bohren. Sie waren mit 28 von 410 Abgeordneten in der absoluten Minderheit. Sie wurden ausgegrenzt, übersehen und mussten sich ihre Rederechte im wahrsten Sinne des Wortes einfordern. Aber sie einte der Wille, das neue Land mit aufzubauen, zu formen, Änderungen herbeizuführen. Jedoch erst fast 75 Jahre später im Jahr 2024 wurde ihr Wirken mit der Veröffentlichung des Buches „Der nächste Redner ist eine Dame" vom Deutschen Bundestag in den Fokus gerückt. „Zum Jubiläum wollten wir eigentlich eine Ausstellung über die Frauen im ersten Deutschen Bundestag erarbeiten. Aber im Zuge der Recherche mussten wir feststellen, dass es im Archiv nichts gab außer einer Namensliste", berichtete Historikerin Natalie Weis, die beim Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages arbeitet, dem Herausgeber des Buches. Im Gespräch mit Politikjournalistin Amelie Ernst verriet sie, wie langwierig die grundlegenden Recherchen waren und dass im Zuge der Arbeit die Idee geboren wurde, einigen ausgewählten Frauen eine größere Stimme in der heutigen Zeit zu geben, indem bekannte Schriftstellerinnen die Portraits der Politikerinnen verfassten.

Hinter den Namen verbergen sich beeindruckende Biografien
Eine dieser Schriftstellerinnen ist Julia Franck, die unter anderem für ihren Roman „Die Mittagsfrau" den Deutschen Buchpreis erhalten hat. Sie stellte die SPD-Politikerin Jeanette Wolff vor, die zwar den Holocaust überlebt hatte, aber fast ihre gesamte Familie unter dem Nazi-Regime verloren hatte. „Bis heute fehlen noch viele Details zu Jeanette Wolff. Im Mittelpunkt der Arbeit zu ihr steht die Frage, wie jemand am Aufbau eines demokratischen Staates mitwirken kann, wenn diese Person fast alles verloren hat? Woher nimmt sie die Kraft? Ich glaube, dass kollektive Leid hat sie stark angetrieben. Zum Beispiel hat sie unzähligen Kindern in der Kriegszeit das Leben gerettet", berichtete die Schriftstellerin im Gespräch mit der Journalistin.

Zu den weiteren Leserinnen gehörte die CDU-Stadtverordnete Irina Feldmann, die die Biografie von Dr. Luise Rehling (CDU) vorstellte, einer Pfarrersfrau, die beide Weltkriege erlebte. Im Gespräch kritisierte Irina Feldmann, dass Frauen heute wie damals erst einmal für die typisch weiblichen Themen wie Bildung und Soziales vorgesehen werden, obwohl sie auch Expertinnen in den klassisch männlichen Bereichen sein können.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Martina Maxi Schmidt stellte die FDP-Frau Dr. Friederike Mulert vor, eine Ärztin und Mutter von 6 Kindern. Die Landespolitikerin berichtete von einem respektvollen Miteinander im politischen Geschäft. „Als Frau ist es aber wichtig, immer klare Grenzen aufzuzeigen. Wir Frauen zweifeln oft an uns und lassen uns oft treiben. Wichtig ist es deshalb, stützende Menschen an der Seite zu haben", so die Landespolitikerin aus Bernau.

Die Wegbereiterinnen der Politikerinnen von heute
Linken-Politikerin Dr. Dagmar Enkelmann, die selbst viele Jahre im Bundestag als Abgeordnete vertreten war, stellte die Biografie von Grete Thiele vor. „Die im Buch vorgestellten Frauen sind in meinen Augen die Wegbereiterinnen. Sie haben sich eingebracht, haben Netzwerke, auch parteiübergreifend, gebildet, um Positionen durchzubringen. Trotz ihrer Geschichte, obwohl sie ihre familiären Verpflichtungen hatten", so die Bernauer Politikerin. Für sie ist klar, ohne diese Frauen des ersten Deutschen Bundestages gäbe es heute eine andere politische Kultur, andere Debatten.

Historikerin Natalie Weis unterstrich dies und betonte, dass die vergangenen drei Frauengenerationen unwahrscheinlich viel erreicht haben gemessen am seit 5000 Jahren bestehenden Patriarchat. Dennoch lautete die einhellige Erkenntnis des Abends: Trotz vermeintlich besserer Rahmenbedingungen sind die Hürden für Frauen im politischen Alltag nach wie vor hoch. Mit sichtbaren Vorbildern und starken Allianzen ließen sie sich aber einfacher überwinden.

Der literarische Abend wurde abgerundet durch einen Text der Bernauer Poetry Slammerin Jasmin Kunze, die unter dem Titel „Die nächste Rednerin ist eine Frau" ein Hoch auf die Leistungen der Frau vortrug.

Die Veranstaltung wurde gefördert vom Ministerium für Gesundheit und Soziales des Landes Brandenburg.

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