Maßnahme 8: Orts- und Stadtteilbegehungen mit Kindern und Jugendlichen
Im Rahmen der Kinderbefragung zur Bestandsanalyse zeigte sich, dass sich Bernauer Kinder besonders häufig Verbesserungen bezogen auf die Spiel- und Freizeitorte in ihren Orts- und Stadtteilen wünschen. Deshalb sollen Begehungen in ausgewählten Orts- und Stadtteilen durchgeführt werden, um Bedürfnisse und Wünsche mit Fokus auf Freizeitflächen, Verkehr und Sicherheit aufzunehmen und in stadtplanerische Prozesse einfließen zu lassen.
Mit der Maßnahme wird das Ziel verfolgt, Kinder und Jugendliche systematisch in zentrale Stadtentwicklungs- und Infrastrukturprojekte einzubinden und ihre Perspektiven als festen Bestandteil kommunaler Planungsprozesse zu verankern. Aufbauend auf den Erfahrungen der vergangenen Jahre sollen Beteiligungsformate weiterentwickelt und verstetigt werden, die jungen Menschen ermöglichen, ihre Sichtweisen, Bedarfe und Ideen frühzeitig einzubringen.
Zur Umsetzung dieser Maßnahme fanden bisher drei Beteiligungsprojekte statt. Ein Schwerpunkt liegt auf der Erweiterung des Sportstandortes Schönow, zu der im September 2024 eine umfassende Kinder- und Jugendbeteiligung stattfand. Insgesamt 52 Kinder und Jugendliche im Alter von 4 bis 24 Jahren beteiligten sich an sechs Mitmach-Stationen und formulierten klare Anliegen: den Wunsch nach einer öffentlichen, vereinsunabhängigen Nutzung des Sportplatzes, zusätzlichen Sport- und Bewegungsangeboten wie Basketball, Tischtennis oder Tribünen, einer besseren Ausstattung (z. B. Umkleiden) sowie einer sicheren Querung der Goethestraße. Die Ergebnisse fließen in die Machbarkeitsstudie ein und bilden eine wichtige Grundlage für die weitere Planung.
Auch im Rahmen des Ortsteilentwicklungskonzepts „Ladeburg 2040+" wurden Kinder und Jugendliche gezielt beteiligt. Beim Workshop am 4. Juni 2024 brachten zwölf Teilnehmende zwischen 10 und 18 Jahren ihre Sicht auf ihren Ortsteil ein. Sie beschrieben Lieblingsorte, Schulwege und Treffpunkte, benannten Herausforderungen wie fehlende Jugendräume, unzureichende Busanbindungen oder vermüllte Bereiche und entwickelten konkrete Zukunftswünsche – darunter ein Skaterplatz oder Pumptrack, zusätzliche Sport- und Bewegungsangebote, sichere Verkehrswege, Treffpunkte zum Chillen sowie mehr Wohnraum für junge Erwachsene. Ein Ergebnis wurde bereits kurzfristig umgesetzt: Auf Grundlage der Hinweise der Kinder und Jugendlichen wurde an der Zepernicker Landstraße ein neuer Zebrastreifen eingerichtet, der die Schulwege und Querungen im Ortsteil deutlich sicherer macht. Die weiteren Ergebnisse fließen in die Fortschreibung des Ortsteilkonzepts ein.
Ein weiteres zentrales Beteiligungsformat ist das Projekt „Stadtentdecker", das 2025/26 erstmals in Bernau durchgeführt wurde. Eine fünfte Klasse der Georg-Rollenhagen-Grundschule arbeitete über ein halbes Jahr hinweg als Stadtplanerinnen und Stadtplaner. Sie entwickelten eigene Ideen zur Gestaltung und Umnutzung von Stadträumen. Die Kinder erkundeten die Innenstadt, dokumentierten Materialien, Geräusche und Grünräume, bauten Modelle, entwarfen Plakate und entwickelten sogar einen eigenen Rap zur Präsentation ihrer Ergebnisse. Die Abschlussveranstaltung im Januar 2026 im Neuen Rathaus zeigte eindrucksvoll, wie ernsthaft, kreativ und differenziert Kinder ihre Stadt wahrnehmen und welche Impulse sie für die Stadtentwicklung geben können. Unterstützt wurden Kinder und Lehrkräfte von einem örtlichen Architekturbüro.
Die Pressestelle der Stadt Bernau begleitete das Projekt eng und veröffentlichte mehrere ausführliche Pressemitteilungen, die den Prozess sichtbar machten und das Engagement der Schülerinnen und Schüler würdigten. Durch diese kontinuierliche Berichterstattung erhielt das Projekt eine hohe regionale Aufmerksamkeit. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung und Architektenschaft betonten bei der Abschlusspräsentation, dass die Ergebnisse in zukünftige Planungen einfließen sollen.