01.09.2026
Museumsgeschichten aus Bernau: Die Wallbüchse
Pressemitteilung 359/2026 der Stadt Bernau bei Berlin
Jedes Museum steckt voller Geschichten. Spannende, kuriose, rührende Ereignisse verbergen sich hinter den Ausstellungsstücken im Museum im Steintor und im Museum im Henkerhaus. In der Serie „Museumsgeschichten aus Bernau" stellt das Team des Museums Bernau jeweils ein Objekt in den Mittelpunkt und erzählt seine Geschichte.
Die Wallbüchse
Objekt 8 von 470 im Steintor
Wer den oberen Wehrgang des Museums im Steintor betritt, begegnet einem Stück Wehrtechnik, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, aber eine ganze Epoche militärischer Entwicklung in sich trägt: der Wallbüchse aus dem 17. Jahrhundert.
Die Wallbüchse im Steintor ist ein 25 Kilogramm schweres Steinschlossgewehr. Wallbüchsen waren überschwere Musketen, die bis zu vier Meter lang sein konnten und vom 15. Jahrhundert bis zum Ende des 19. Jahrhunderts genutzt wurden. Je nach Ausführung erreichten sie eine Schussweite von 500 bis 700 Metern. Aufgrund ihres hohen Gewichts und des starken Rückstoßes konnten sie nicht frei getragen und aus dem Stand abgefeuert werden. Stattdessen legte man sie zum Schießen auf eine Brustwehr oder einen Schießbock. Viele Modelle verfügten über einen Haken, der in das Mauerwerk oder in eine Schießscharte eingehängt wurde, um einen Teil des Rückstoßes abzufangen und die Waffe zu stabilisieren.
„Als Steinschlossgewehr besitzt die Wallbüchse die charakteristische Pulverpfanne – eine kleine Mulde am Lauf, die mit Pulver gefüllt wurde. Erst das Entzünden dieses Pulvers löste den Schuss aus. War die Pfanne leer, konnte die Waffe nicht abgefeuert werden. Aus diesem Umstand entstand die Redewendung ‚nichts auf der Pfanne haben', die sinnbildlich für Erfolglosigkeit oder mangelnde Fähigkeiten steht", erläutert Johannes Genth, der ein Freiwilliges Soziales Jahr im Museum Bernau absolviert.
Im 19. Jahrhundert wurde die Wallbüchse technisch weiterentwickelt: Modernere Perkussionsschlösser ersetzten die älteren Zündsysteme und einige Modelle wurden sogar als Hinterlader gefertigt. Heute dient die Wallbüchse im Museum im Steintor als anschauliches Beispiel für die Wehrtechnik vergangener Jahrhunderte. Sie vermittelt den Besucherinnen und Besuchern Einblicke in das Handwerk und die technischen Möglichkeiten früherer Zeiten. „Sie ist keine universell einsetzbare Waffe, sondern ein Zeugnis ihrer Zeit, das eindrucksvoll vom technischen Fortschritt, vom handwerklichen Können und vom menschlichen Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit erzählt", so Johannes Genth.
Geöffnet ist das Museum im Steintor dienstags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr.