03.08.2026
Museumsgeschichten aus Bernau: Der verlorene Harnisch - vom Steintor ins "Met"?
Pressemitteilung 316/2026 der Stadt Bernau bei Berlin
Jedes Museum steckt voller Geschichten. Spannende, kuriose, rührende Ereignisse verbergen sich hinter den Ausstellungsstücken im Museum im Steintor und im Museum im Henkerhaus. In der Serie „Museumsgeschichten aus Bernau" stellt das Team des Museums Bernau jeweils ein Objekt in den Mittelpunkt und erzählt seine Geschichte.
Der verlorene Harnisch – vom Steintor ins „The Met"?
Objekt 10 von 7.000 im Stadtarchiv
In der langen Geschichte der Rüstkammer im Museum im Steintor sind nicht nur kostbare Stücke erhalten geblieben, sondern auch Lücken entstanden. Manche Objekte wechselten im Laufe der Jahrhunderte ihren Besitzer durch Tausch, Leihe oder Verkauf. Andere gingen verloren, wurden beschädigt oder verschwanden unter ungeklärten Umständen. Eine dieser Lücken betrifft einen besonders auffälligen Harnisch mit einem markanten Stern als Ziermotiv, der auf alten Fotografien der Rüstkammer aus den 20er und 30er Jahren noch zu sehen ist.
Die Form und Konstruktionsweise dieser Brustplatte deuten auf das beginnende 16. Jahrhundert, etwa um 1510, hin. Sie passt somit perfekt in Datierungszeit eines Großteils der Harnische im Steintor. Diese Kombination aus Form und dem einmaligen Sternmotiv macht das Stück besonders.
„Bei meiner Online‑Recherche fiel mir vor einigen Jahren eine Brustplatte auf, die in Form und Verzierung exakt mit der auf unseren historischen Bildern übereinstimmt. Dieses Exponat befindet sich heute im Metropolitan Museum of Art in New York. Die Objektbeschreibung dort bezeichnet den Harnisch als deutsche Brustplatte, datiert um 1500–1510, und hebt die ungewöhnliche, eingesunkene Sternornamentik hervor. Die Met-Provenienz – also die historische Chronologie der Besitzverhältnisse des Objekts - führt das Stück über einen Dr. Paul in Berlin in den 1960er Jahren, die Sammlung von Karsten Klingbeil in Berlin, einen Verkauf 2014 über ein Schweizer Auktionshaus an Peter Finer in England und schließlich in die Sammlung des Met", erläutert Museumsmitarbeiter Leo Grabsch.
„Wie genau die Rüstung aus der Bernauer Sammlung verschwand — ob sie während der NS‑Zeit unrechtmäßig veräußert, entwendet oder auf anderem Wege abhandengekommen ist — lässt sich mit dem derzeitigen Wissensstand nicht zweifelsfrei rekonstruieren. Die übereinstimmende Form, die Einmaligkeit des Sterns als Zierelement und das Auftauchen in Berlin in den 60er Jahren überzeugen mich, dass sie aus unserer Sammlung stammen könnte und somit ursprünglich einem Bernauer Bürger gehörte. Vielleicht erhalten wir im Museum Bernau in den kommenden Jahren die Chance, sie wieder in ihre Heimat zurück zu führen", so Leo Grabsch.
Geöffnet ist das Museum im Steintor dienstags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr.