23.07.2026
Mehr als nur Stein und Metall: Vier neue Skulpturen für Bernau
Pressemitteilung 297/2026 der Stadt Bernau bei Berlin
Die Bernauer Innenstadt und zwei Ortsteile sind um insgesamt vier Bildhauerarbeiten reicher, die im Rahmen der deutsch-polnischen Bildhauersymposien „Terrain – Teren I und II" 2020 und 2023 entstanden sind.
„Leben zwischen Himmel und Erde" auf dem Kulturhof
Den Kulturhof an der Breitscheidstraße 43 schmückt die Skulptur „Terra Exalta – Leben zwischen Himmel und Erde" der Berliner Künstlerin Birgit Cauer.
In ihrem Werk aus Traventin, einem offenporigen Kalksteinblock, lassen sich in seinem Inneren Spuren von Leben finden, die seit Jahrmillionen dort eingeschlossen sind. Mit Hammer, Meißel und Bohrer drang die Künstlerin in die Tiefe des Steins vor, legte Aushöhlungen an, schuf offene Räume, ermöglichte Einblicke, die den Betrachter auffordern, diese Spuren urzeitlichen Lebens zu finden.
„Touch" – die Erde berühren am Rande des Stadtparks
An der Kreuzung Jahnstraße/Ladeburger Chaussee am Rande des Stadtparks schräg gegenüber der Sparkassen-Arena fand die Skulptur des polnischen Bildhauers Piotr Wesołowski aus Mietkòw seinen Platz. Seine Arbeit aus perforierten Stahlblechen und Moniereisen mit dem Titel „Touch" – Berührung formuliert bildkünstlerisch eine Kindheitserinnerung an seinen Großvater, der Bauer war. Jeden Morgen ging er auf aufs den Acker und nahm eine Handvoll Erde auf. Es war ein Erfühlen der Muttererde, eine Berührung in Achtung und Demut, eine täglich ausgeführte friedvolle Geste. Die überlebensgroße Metallskulptur überlässt es den Betrachtern, darin eine die Erde berührende Hand zu sehen. Der gewählte Standort auf einer Wiesenfläche am Rande des Stadtparks unterstützt diese Deutung durchaus.
„Treffen" am Dorfteich in Börnicke
Der Ortsteil Börnicke darf sich über das Werk „Treffen" des polnischen Bildhauers Andrzej Kosowski aus Wrocław freuen. Es handelt sich um eine Sitzbank aus Granitgestein, die ihren Platz am Dorfteich an der Börnicker Dorfstraße gefunden hat - in unmittelbarer Nähe des Feuerwehrtheaters.
Ihre Symbolkraft erhält die Bank durch das vom Künstler gewählte Motiv des Möbiusbandes, dass Wiederholung und Unendlichkeit assoziiert. Die Sitzbank bietet zwei voneinander getrennte Sitzflächen.
Durch das formgebende Aufnehmen des Möbiusbandes, das keinen Anfang und kein Ende kennt, wird die Trennung aufgehoben. Eine fließende Bewegung erzeugt eine Fläche, eine „Treffplattform". Die Sitzenden schauen in entgegengesetzte Richtungen und sind frei in ihrer Entscheidung, ob sie zugewandt oder für sich bleiben wollen.
„Der röhrende Hirsch" wagt sich an den Schönower Kreisverkehr
Im Ortsteil Schönow ist die vierte Plastik zu finden: im kleinen Park nahe dem ortsmittigen Kreisverkehr – im Straßenwinkel Berliner Allee/Schönerlinder Straße. Die Tierfigur aus Sandstein „Röhrender Hirsch" hatte die Künstlerin Anne Schulz aus Biesenthal 2020 beim ersten Bildhauersymposium „Terrain – Teren I" begonnen und nun 2026 fertiggestellt. Nahe des Naturschutzgebietes Schönower Heide steht der Hirsch als Sinnbild für die Verbindung von Mensch und Natur, für schützenswerte Landschaftsräume für Fauna und Flora. Anne Schulz ersetzt mit ihrer Skulptur die Arbeit des vierten Teilnehmers am Bildhauersymposiums 2023, des Berliners Rainer Fest, der sein Werk Anfang des Jahres zu Ausstellungszwecken abgeholt hat.
Über die deutsch-polnischen Bildhauersymposien „Terrain – Teren"
Alle vier Bildhauerarbeiten entstanden während eines deutsch-polnischen Bildhauersymposiums im Bernauer Stadtpark – 2020 und 2023. Jeweils drei Wochen loteten die Künstlerinnen und Künstler aus Berlin, Biesenthal, Wrocław und Mietkòw das Thema „Terrain – Teren" aus, das den beiden Symposien eine konzeptionelle Wegweisung gab. Das lateinische Terra (Erde, Acker) ist verwandt mit dem Wort Terrain als kartografisch bestimmtes, abgegrenztes Gelände.
Rund ums Rondell am Pulverturm wurden die Zelte aufgeschlagen, in denen die Bildhauer ihre Ideen in Stein schlugen oder mittels Stahlblechen in eine überlebensgroße figürliche Form brachten. Ein Terrain unter freiem Himmel wurde zur Bildhauer-Werkstatt.
Interessierte Bernauerinnen und Bernauer sowie Besucher der Stadt konnten die tägliche Auseinandersetzung der Künstler mit Material und Idee verfolgen.
Nun haben vier Bildhauerarbeiten ihren Standort gefunden und präsentieren sich in der Öffentlichkeit. Zwei Werke bereichern die Bernauer Innenstadt, zwei werten die Ortsteile Börnicke und Schönow auf.
Das deutsch-polnische Bildhauersymposium „Terrain – Teren II" eröffnete der Bernauer Bürgermeister am 10. September 2023 mit den Worten: „In diesen unruhigen Zeiten soll unser grenzüberschreitendes Projekt die engen Beziehungen zu unseren polnischen Nachbarn unterstreichen und mittels Kunst das gegenseitige Verständnis füreinander fördern". Dieses Statement hat auch heute noch Bestand.