28.09.2026
Feierliche Verlegung von 9 weiteren Stolpersteinen
Pressemitteilung 413/2026 der Stadt Bernau bei Berlin
Neun weitere Stolpersteine gibt es in Bernau: Sie erinnern an Julius und Rosa Marcus, an Georg, Minna, Heinz und Gerhardt Schweriner sowie an die Familie Heymann, zu der Fritz, Fritz David und Meta Heymann gehörten. Viele Bernauerinnen und Bernauer wohnten der feierlichen Verlegung der Stolpersteine am 25. September 2026 in der Bernauer Innenstadt bei. Sie verfolgten die Einbringung der Steine ins Pflaster sowie den Auszügen aus den Biografien der einstigen Bernauer Bürger, die im Nationalsozialismus vertrieben, deportiert und ermordet wurden.
Die Verlegung der weiteren neun Stolpersteine geht auf ein Gemeinschaftsprojekt des Künstlers Gunter Demnig, des Paulus-Praetorius-Gymnasiums, der Georg-Rollenhagen-Grundschule, des Rotary Clubs und der Stadt Bernau zurück. „Wir blicken heute auf die Geschichte unserer Stadt zurück. Die 9 Steine aus Messing wirken klein im Pflaster und tragen eine unermessliche Last. Wir erinnern damit an frühere Bürger und Familien unserer Stadt“, sagte Daniela Böttcher vom Rotary Club Bernau. Die Vorsitzende der Bernauer Rotarier betonte im Rahmen der feierlichen Verlegung, dass durch die Stolpersteine die ehemaligen Bürgerinnen und Bürger in die Mitte der Stadt zurückgeholt werden, wo sie einst gelebt haben.
Die Steine verlegte Michael Rohrmann, der Assistent des Künstlers Gunter Demnig, der krankheitsbedingt nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte. Rohrmann füllte die vorgefertigten Stellen mit Schnellsigment, Split und den Stolpersteinen selbst und schuf innerhalb weniger Minuten neue Erinnerungsorte in Bernau. Während Michael Rohmann die Steine einbrachte, trugen Schülerinnen und Schüler der Stolperstein-AG des Paulus-Praetorius-Gymnasiums Zeilen zu den Menschen vor, an die die Stolpersteine fortan erinnern. „Alle zwei Wochen hat sich die Arbeitsgemeinschaft getroffen, um zu recherchieren und schließlich auch die Texte zu verfassen, die heute zu hören sind“, berichtete Geschichtslehrer Karsten Zweiniger vom Gymnasium. Etwa ein Jahr lang haben die Neunt- und Zehntklässler sowie Schülerinnen und Schüler der Georg-Rollenhagen-Grundschule an den neun Biografien gearbeitet. Die jüngsten Schüler trugen zudem als Chor Lennard Cohens Halleluja vor.
Ergriffen wohnten viele Bernauerinnen und Bernauer der Zeremonie bei und legten anschließend Rosen an den weiteren Stolpersteinen nieder. Mit den neun neuen Erinnerungssteinen gibt es in Bernau nun insgesamt 26 Stolpersteine. Die jüngsten Erinnerungsorte sind in der Mühlenstraße/ Ecke Grünstraße und in der Berliner Straße zu finden.
In der Mühlenstraße 1 bis 2 wohnten Julius und Rosa Marcus. An dieser Stelle befand sich auch das Modehaus für Damenmode von Rosa Marcus. Die Familie Marcus lebte seit Mitte des 19. Jahrhunderts nachweislich in Bernau bis zur Pogromnacht 1938. Julius und Rosa Marcus wurden Anfang März 1943 nach Auschwitz transportiert und kamen dort um.
In der Berliner Straße 29 lebte Familie Schweriner. Zur Familie gehörten Georg und Minna, Heinz und Gerhardt Schweriner. Georg Joseph Schweriner und seine Frau Minna kamen mit ihren beiden Söhnen 1825 nach Bernau und gründeten in der Berliner Straße 125 das „Berliner Kaufhaus“. Bereits in Zeiten der Weltwirtschaftskrise erlebte die Familie Angriffe. Nach einer SA-Attacke verstarb Georg Schweriner am 2. Januar 1933 im Krankenhaus Bernau. Sohn Heinz flüchteten 1939 über Umwege nach Australien. Seine Frau Elfriede blieb in Bernau und wurde im März 1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie umkam. Auch der zweite Sohn Gerhardt wanderte Ende 1938 nach Australien aus. Minna Schweriner wurde im Januar 1943 nach Auschwitz transportiert.
In der Berliner Straße 43 lebte Familie Heymann. Zur Familie gehörten Fritz, Fritz David und Meta Heymann. Fritz Heymann führte um 1930 das von seinem Bruder Siegmund gegründete Herrenkonfektionsgeschäft. Das Geschäft übernahmen sein Sohn Fritz David und dessen Frau Meta. Die Pogromnacht am 9. November 1938 markierte das Ende des Kaufhausbetriebs, Heymanns mussten sich danach als Lumpensortiererin und Kiesgrubenarbeiter durchschlagen. Fritz Davin und Meta Heymann wurden am 13. April 1942 deportiert und kamen wahrscheinlich im Vernichtungslager Treblinka ums Leben.
Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Die im Boden eingelassen Gedenksteine erinnern an das Schicksal der vertriebenen, deportierten oder ermordeten Menschen. Bisher wurden über 100.000 Steine in 31 europäischen Ländern verlegt und gelten als das größte dezentrale Mahnmal weltweit.