27.07.2026
Ein klarer Dialog mit dem Material: Bildhauer Friedrich B. Henkel feierte 90. Geburtstag
Pressemitteilung 304/2026 der Stadt Bernau bei Berlin
Wer über den Steintorplatz in Bernau geht, muss unweigerlich an ihm vorbei: dem Quellbrunnen.
Kinder klettern über die Granitformen, Erwachsene nutzen ihn als Treffpunkt oder gönnen sich an heißen Sommertagen eine kleine Erfrischung im angrenzenden Café. Für viele Bernauerinnen und Bernauer gehört der Brunnen längst selbstverständlich zum Stadtbild. Dass hinter diesem Kunstwerk einer der bedeutendsten Bildhauer Ostdeutschlands steht, wissen dagegen die wenigsten.
Landschaft als zentrales Thema des Schaffens von Friedrich B. Henkel
Der 1936 geborene Künstler hat Bernau mit dem Quellbrunnen ein Werk hinterlassen, das weit mehr ist als ein Brunnen. Die 2004 entstandene Landschaftsskulptur erzählt von der Quelle der Panke, die sich unweit des Steintorplatzes befindet, und von der eiszeitlich geformten Landschaft des Barnims. Roter Granit greift die Farbigkeit des historischen Steintors auf, heller Granit nimmt das Pflaster des Platzes auf. Landschaft, Architektur und Kunst treten miteinander in einen stillen Dialog.
Dass Landschaft zum zentralen Thema seines Schaffens werden würde, zeichnete sich schon früh ab. Friedrich B. Henkel wächst im thüringischen Zella in der Rhön auf. Die sanften Höhenzüge und Kalksteinformationen dieser Landschaft prägen ihn tief. Später beschreibt er dieses Gefühl mit den Worten: „Als Jugendlicher in der Rhön mit den Eltern wandernd, hatte ich das Gefühl, auf den Schultern eines Riesen zu laufen. Seine Schultern waren aus Erde und Kalkstein, die zu Landschaft wurden."
Dieser Satz ist beinahe ein Schlüssel zu seinem gesamten Werk.
Der künstlerische Werdegang von Friedrich B. Henkel
Seine künstlerische Ausbildung beginnt mit einer Lehre als Holzbildhauer. Anschließend studiert Henkel an der Fachschule für angewandte Kunst in Leipzig und später an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei Theo Balden und Waldemar Grzimek. Doch das Leben verlangt früh Verantwortung: Weil er bereits eine vierköpfige Familie ernähren muss, beendet er das Studium aus finanzieller Not.
Sein Weg als Künstler führt dennoch konsequent weiter. Er arbeitet im Atelier von Waldemar Grzimek, wirkt an der Denkmalgruppe für die Gedenkstätte Sachsenhausen mit und ist von 1960 bis 1965 als Architekt im DEFA-Filmstudio Babelsberg tätig. Bei Fritz Cremer an der Akademie der Künste in Berlin wird er Meisterschüler – eine entscheidende Station für seine weitere Entwicklung. Seit 1970 arbeitet Friedrich B. Henkel als freischaffender Künstler, später gibt er sein Wissen auch als Lehrbeauftragter an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee weiter.
Sein Werk lässt sich keiner Mode unterordnen. Ob plastische Arbeiten, Druckplastiken, Zeichnungen oder Collagen – immer kreist es um die Landschaft. Allerdings geht es ihm nie um deren bloße Abbildung. Henkel sucht nach dem Wesen eines Ortes, nach seinen geologischen und emotionalen Spuren. Inspiration findet er auf Reisen nach Georgien, Rumänien, Italien, Bornholm oder Marokko ebenso wie in seiner thüringischen Heimat oder in den Landschaften des Barnims und rund um Wullwinkel.
Aus diesen Eindrücken entstehen Skulpturen, die Natur nicht kopieren, sondern verdichten. Sie wirken wie gewachsene Formen – bewegt, kraftvoll und zugleich ruhig. Landschaft wird bei Henkel zur plastischen Erinnerung.
Mehr als fünf Jahrzehnte arbeitete der Künstler in seinem Atelier im Wullwinkel bei Biesenthal, seit 2004 lebt er in Bernau. Die von Gletschern geprägte Landschaft der Region inspirierte ihn schließlich auch zum Quellbrunnen, der heute zu seinen bekanntesten Werken im öffentlichen Raum zählt.
Auch über Bernau hinaus wird sein Lebenswerk gewürdigt. Anfang dieses Jahres zeigte die Galerie Pankow mit „Tektonik der Stille – Dimensionen der Collage" bereits seine 50. Einzelausstellung. Im vergangenen Jahr eröffnete das Winckelmann-Museum in Stendal einen eigenen Pavillon, in dem dauerhaft Skulpturen Friedrich B. Henkels präsentiert werden.
Über sein Selbstverständnis als Künstler sagte Henkel einmal: „Bildhauer sein bedeutet Widerstand zu leisten gegen das Material, das Flüchtige, die Tradition, die Dummheit."
Ein bleibendes Geschenk für Bernau
Vielleicht erklärt gerade dieser Satz, warum seine Werke eine solche Beständigkeit ausstrahlen. Sie drängen sich nicht auf, sondern entfalten ihre Wirkung über Jahre und Jahrzehnte. Der Quellbrunnen auf dem Steintorplatz ist dafür das schönste Beispiel. Für die einen ist er ein Ort zum Spielen, für andere ein Kunstwerk – für Bernau aber ist er längst zu einem Stück Identität geworden.
Glückwunsch zum 90. Geburtstag vom Bürgermeister
Am Sonntag, dem 26. Juli, feierte der Bildhauer, Zeichner und Grafiker Friedrich B. Henkel seinen 90. Geburtstag im Ratskeller Bernau. Bürgermeister André Stahl gehörte zu den ersten Gratulanten. „Mit Friedrich B. Henkel feiert die Stadt nicht nur den 90. Geburtstag eines außergewöhnlichen Bildhauers. Sie würdigt einen Künstler, der Bernau mit dem ‚Quellbrunnen' ein bleibendes Geschenk hinterlassen hat. Für Kinder ist er ein Ort zum Spielen und Erfrischen, für die Erwachsenen ein Kunstwerk – für Bernau aber ist er längst zu einem Stück Identität geworden", sagte das Stadtoberhaupt.