04.08.2026
Seit 35 Jahren: Das Abenteuer Kultur mit der FRAKIMA entdecken
Pressemitteilung 320/2026 der Stadt Bernau bei Berlin
Erwerbsbiografien, wie die von Anja Schreier, sind in der heutigen Zeit rar. Seit 35 Jahren leitet die Kulturwissenschaftlerin die FRAKIMA-Werkstatt auf dem Kulturhof in Bernau.
1991 hatte sie gemeinsam mit Petra Skovholm (damals noch Petra Metzdorf) die FRAKIMA-Werkstatt gegründet. Bis zum Umzug von Petra Skovholm nach Dänemark im Jahr 1999 managten die beiden Frauen die FRAKIMA-Werkstatt im Tandem.
Der Gründung war ein Beschluss der Stadtverordneten vorausgegangen, eine städtische Kultureinrichtung für alle Generationen ins Leben zu rufen.
„Petra und mir war es wichtig, einen Anlaufpunkt zu schaffen, an dem jeder in das Abenteuer Kultur eintauchen und sich verschiedenen künstlerischen Tätigkeiten widmen kann unabhängig von Herkunft und Vorkenntnissen", berichtet Anja Schreier, die bis 1989 Kulturwissenschaften mit der Spezialisierung Methodik für künstlerisches Volksschaffen in Leipzig studiert hat.
Vorbeikommen und sich ausprobieren
Anfangs konnten die Bernauerinnen und Bernauer – egal ob klein oder groß – spontan bei der FRAKIMA vorbeikommen und sich ausprobieren. „1991 gab es Angebote in den Richtungen Keramik und Plastik, Malerei und Grafik, Tanzen und Yoga sowie einen Zirkel der Schreibenden", erinnert sich Anja Schreier spontan, ohne die Vollständigkeit der Aufzählung zu gewährleisten. Aufgrund des regen Zulaufs konnten die beiden FRAKIMA-Gründerinnen den Ansturm irgendwann nicht mehr allein händeln.
Deshalb wurden Kursleiter auf Honorarbasis gesucht. „Das waren und sind alles Profis mit vielfältigen neuen Ideen und teilweise internationalem Background", so die FRAKIMA-Leiterin, die für die Auswahl der Kursleiter verantwortlich zeichnet und dabei auf Vielfalt und Qualität achtet und Multikulti als echte Bereicherung empfindet. Viele von ihnen sind seit mindestens fünf Jahren oder länger dabei. Beispielsweise führt Steffen Renz, Sonderpädagoge und Mitglied der bekannten Zirkusfamilie, mit viel Erfahrung und Feingefühl seit mehr als 20 Jahren in die Kunst des Jonglierens ein.
„Seit 25 Jahren habe ich Angela Schulz als gute Seele mit einer halben Stelle an meiner Seite", so die FRAKIMA-Chefin. „Meine ‚Perle' ist mir eine große Stütze, wenn es um das Vor- und Nachbereiten von Veranstaltungen geht oder wenn Kursbeiträge eingesammelt werden müssen. Ohne sie ist das immense Arbeitspensum nicht zu schaffen", berichtet Anja Schreier. Leider scheidet „Schulli", wie sie ihre Mitarbeiterin liebevoll betitelt, zum Jahresende altersbedingt aus.
29 Kurse im Angebot
Auf 29 Kurse ist das Angebot der FRAKIMA (FRAu, KInd, MAnn) angewachsen - vom Filzen oder Töpfern, übers Tanzen bis hin zum Waldbaden. Einer der jüngsten Kurse ist das Waldbaden mit Hund, das großartig angenommen wird.
Da das Haupthaus an der Breitscheidstraße 43a bei der Vielzahl der Kurse aus allen Nähten platzen würde, nutzt die FRAKIMA den Treff 23 gleich nebenan auf dem Kulturhof, um die Raumsituation zu entspannen. In den großzügigen, modernen Räumen finden die Bewegungsangebote wie sanfte Gymnastik, Pilates oder Tanz statt, die bei Alt und Jung hoch im Kurs stehen. Wegen der erforderlichen Deckenhöhe findet der Kurs Jonglieren für Erwachsene in der alten Turnhalle des Gemeindezentrums Schönow statt.
Um die Räume optimal auszulasten und den verschiedenen zeitlichen und inhaltlichen Ansprüchen gerecht zu werden, gibt es Vormittags-, Nachmittags- und Abendkurse. Die Vormittagsangebote ab 9.30 Uhr werden von den Senioren stark nachgefragt, während nachmittags ab 15.30 Uhr und abends ab 18 Uhr Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum künstlerisch Tätigsein zur FRAKIMA kommen.
Zu den nachgefragtesten Werkstätten zählen Töpfern und Keramik. „Da haben wir mit sieben Kursen unsere Kapazitätsgrenze erreicht", so die Kulturwissenschaftlerin. Da nicht nur die Kursleiter, sondern auch die Teilnehmer „ihren" Kursen die Treue halten, existieren für die gefragten Dinge Wartelisten für Nachrücker.
Wer keine Zeit und Lust hat, regelmäßig einen Kurs zu besuchen, kann sich in den übers Jahr verteilten Workshops der FRAKIMA ausprobieren. So gibt es beispielsweise vor Ostern und Weihnachten einen Filzworkshop, zum Frauentag das Frauenpower-Angebot „Sticken" mit Nadel und Faden, Keramik-Workshops und einiges mehr.
Moderate Preise
Die Preise für die Kurse sind moderat und für jeden finanzierbar. 3 Euro für Erwachsene und 2 Euro für Kinder beträgt die Eigenbeteiligung pro Termin. „Einmal Schnuppern ist gratis", erzählt Anja Schreier. In der Regel laufen die Kurse ein halbes Jahr mit 20 Terminen. Material gibt es bei den Kursleitern, das auch bei ihnen entsprechend des Verbrauchs bezahlt wird.
Für die zusätzlichen Workshops beläuft sich die Gebühr auf 5 Euro pro Teilnehmer zuzüglich der Materialkosten. "Diese sozialverträglichen Preise sind nur möglich, weil wir eine von der Stadt getragene Einrichtung sind", weiß Anja Schreier die Gebührenstruktur zu schätzen.
Arbeitsergebnisse werden regelmäßig präsentiert
Neben den vielen Inhouse-Kursen präsentiert sich die FRAKIMA-Werkstatt der Stadtgesellschaft mit ihren Ergebnissen: mit Ausstellungen aus den Malerei-, Grafik-, Keramik- und Plastikkursen, mit Tanzaufführungen, mit ihren Acts während des Hussitenfestes, aber auch außerhalb Bernaus und im europäischen Kulturaustausch. „Unsere Kurse arbeiten ‚fächerübergreifend'. So gestaltete der Malkurs den Bühnenhintergrund für die Theatergruppe. Auch bei den Requisiten wird lebhaft miteinander kooperiert", erklärt Anja Schreier.
Unter dem Motto „Alles im grünen Bereich" organisiert die FRAKIMA am 19. September auf dem Kulturhof ihre 4. Pflanzentausch-Börse. Garten- und Pflanzenliebhaber können dabei ihre Ableger, Samen, Setzlinge oder Stauden in liebevolle Hände geben und zu dem „Grünzeug" ihre individuellen kleine Gartengeschichten erzählen sowie Tipps und Tricks weitergeben.
Im November laden Anja Schreier als „Hausherrin" und Sylvia Pyrlik als Inhaberin der Buchhandlung Schatzinsel alle literaturbegeisterten Bernauerinnen und Bernauer im Rahmen der Aktion „Bernau liest" zur 4. Treppenhauslesung an die Breitscheidstraße 43a ein. Dabei werden – umrahmt von der Kulisse des altehrwürdigen Treppenhauses in der FRAKIMA-Werkstatt - markante Textstellen aus dem Siegerbuch „Der Schlaf der Anderen" von Tamar Noort aus dem Rowohlt Verlag vorgetragen.
Wir dürfen weiterhin gespannt bleiben, was die rührige FRAKIMA-Chefin in Zukunft für Ideen umsetzt, um die Bernauer in den kulturellen Austausch und in Bewegung zu bringen und für aktuelle Themen zu sensibilisieren. Denn wenn die 60-Jährige über ihre Arbeit berichtet, gerät sie auch nach 35 Jahren noch ins Schwärmen. Man merkt, hier ist die richtige Frau an der richtigen Stelle, eine, die ihren Beruf zur Berufung gemacht hat, der der tägliche Spagat, Kurse, Workshops, Ausstellungen und Aufführungen vor- und nachzubereiten, Anfragen zu beantworten, grenzüberschreitende Netzwerke zu pflegen, mit Herzblut und Enthusiasmus gelingt.